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Die Geschichte von Daisy, der Hündin meiner Tochter
aufgeschrieben von Angela im März 2006 Im September 1999 beschlossen wir einen Hund in unsere „Familie“ (mein Freund und ich) aufzunehmen. Die Suche ging los. Damals hatten wir noch kein Internet und lasen in einer Zeitungsannonce: „Junge Hunde zu vermitteln,... blabla“. Wir hatten keine Rasse oder ähnliches im Kopf, nur zu groß sollte er nicht sein. Die Annonce war samstags in der Zeitung. Montags, unbedarft wie wir waren, riefen wir einfach mal an. Der Mann am Telefon druckste herum war nicht sonderlich gesprächig, es wäre noch ein Hund zu vermitteln, aber es sei ein Staff-Mix oder so… Der Mann hatte eine Hundeschule mit einer angeschlossenen Hundepension. Das ansässige Tierheim hatte bei ihm Hunde untergebracht. Er war auch für die Vermittlung zuständig. Damals gab es noch keine Hundeverordnung oder so einen Unsinn. Wir sind also direkt hingefahren und da saß sie…seit 5 Monaten. So eine süße, sie hat sich gefreut wie ein Schneekönig und uns direkt ins Herz geschlossen, wir sie natürlich auch. 2 Stunden ca. verbrachten wir mit Daisy und der nette Herr (der wahrscheinlich nur nicht gern telefonierte) erzählte uns alles was er über Daisy wusste: Sie wurde im Wald gefunden, halb verhungert und noch Milch im Gesäuge. Ihr Alter unbekannt, geschätzt auf 1-1,5 Jahre. Wahrscheinlich hat sie in irgendeinem Hinterhof einmal Welpen bekommen und wurde dann nicht mehr „gebraucht“. Ihre Vorderläufe sind bis heute übersät mit kleinen Narben, die die Vermutung aufkommen lassen, dass sie „scharf gemacht“ werden sollte. Daisy ist aber nur eine Seele von Hund und hat nicht „mitgespielt“. Auch hat der nette Herr sehr viel mit Daisy gearbeitet und ihr viel beigebracht. Nur eine Sache war und ist nicht aus ihr rauszubekommen: BALL, dafür würde sie sterben ;-)
Es war für uns klar, Daisy gehört zu uns! Zwei ewig lange Tage später kam der Herr für eine Vorkontrolle und alles war geritzt. Wir kauften Hundefutter, eine Leine und ein Halsband (ich habe noch niemals einen Hund gesehen, der sich sooooo über ein Halsband gefreut hat wie Daisy, als wir sie abholten. Ich denke sie wusste: “Jetzt bekomme ich ein schönes neues Zuhause!“ Daisy kam im September 1999 zu uns. Autofahren, kein Problem, alleine bleiben, kein Problem, bellen, was ist das denn. Einfach alles super. Nur war sie sehr ängstlich, wenn etwas runter fiel oder wenn laute Geräusche waren. Laute Stimmen waren auch ganz schlimm. Fast alles hat sich relativ schnell gelegt, bis auf die lauten Stimmen (Gebrüll, oder ähnliches), da reagiert sie bis heute verängstigt drauf. Die Zeit verging, alles war einfach nur schön, jeder schloss Daisy sofort in Herz. Dann kam die Hundeverordnung… Jeder schaute uns schief an, beschimpfte uns, Kinder wurden auf den Arm gerissen, kleine Hunde ebenfalls, Menschen (auch Hundehalter) wechselten die Straßenseite… tausend Dinge, die einem das Leben schwer machten, aber wir haben uns nicht entmutigen lassen. Diese Zeit ist mit einer der Gründe, warum ich nur noch „solche“ Hunde haben will!!! (Daisy ist natürlich der Hauptgrund :-) Diese Hunde sind nicht gefährlicher als der Mensch am anderen Ende der Leine! Die Jahre vergingen, wir hatten eine schöne Zeit und es gab nie gesundheitliche Probleme bei Daisy. Bis zum Frühsommer 2005 Daisy erkrankt an Diabetes Die Anzeichen waren eindeutig. Daisy trank Mengen an Wasser, dementsprechend musste es wieder raus. Keine Nacht war mehr trocken. Daisy verlor an Gewicht und war abgeschlagen und müde. Ihr Fell stumpf und struppig Diagnose: Diabetes mellitus… Die Tierärztin war absolut inkompetent. Sie wollte mich erpressen und mir erst dann Insulin für Daisy mitgeben, wenn ich einen Termin für eine Kastration machen würde. Es wäre nun mal so, dass Hündinnen mit Diabetes sofort kastriert werden müssten, sonst würde man die Diabetes nie in den Griff bekommen ...... blablabla. Ich bin dann mit Daisy nach Hause, ohne einen Termin zu vereinbaren!!! Habe Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt und mich schlau gemacht. Ich fand heraus, dass es tatsächlich von Vorteil wäre eine diabetische Hündin kastrieren zu lassen, aber nur aus dem Grund, weil nach der Läufigkeit in der so genannten Progesteronphase, der Blutzucker stark schwanken und nicht in den Griff zu bekommen wäre. Aber für so eine OP muss ein Hund auch fit und stabil sein. Das bestätigte mir dann auch eine Tierärztin, mit der ich dann Kontakt aufnahm. Dort konnte ich mir auch ein paar Tipps und Insulin (Caninsulin) holen. Somit haben wir mal ganz schnell den Tierarzt gewechselt, was die beste Entscheidung überhaupt war. Da der Mann meiner Mutter Diabetiker ist, habe ich früher schon viel darüber mitbekommen, aber eben nur beim Menschen. Fest stand für mich auf jeden Fall: Man muss einem Diabetiker Blutzucker messen um eine vernünftige Einstellung hinzubekommen! Gesagt - getan.
Außerdem habe ich Daisy’s Ernährung grundlegend geändert. Ab sofort gab es artgerechte Rohfütterung statt Trockenfutter!
Zu der Zeit lernte ich auch Christiane mit Skadi kennen, die einige Monate vorher mit der Diagnose Diabetes bei Skadi konfrontiert wurde. Christiane hat mir super bei allem geholfen. 10 E Caninsulin morgens nach dem Füttern. Damit klappte es nicht. Mit meinen Aufzeichnungen des Blutzuckers bin ich zum Tierarzt und habe erklärt warum Daisy auf 2 x tägliche Insulingabe umgestellt werden müsste. Die Tierärztin war sprachlos und stimmte dann zu. Sie hatten noch nie einen Tierhalter der sich soviel Gedanken und Mühe mit Diabetes gemacht hat.
Das war auch der Zeitpunkt von dem an die Tierärzte (Gemeinschaftspraxis), auch akzeptiert haben, dass wir vorerst nicht kastrieren lassen. Für mich stand es die ganze Zeit fest, außer es wäre wirklich ganz schlimm nach der Läufigkeit! Die erste Läufigkeit kam und ging. Der Blutzucker schwankte etwas, aber nicht so, dass es besorgniserregend war oder gar nicht in den Griff zu bekommen. Mein Gefühl hat sich bestätigt! Im Oktober wurde Daisy dann gegen Tollwut geimpft, weil wir Anfang November nach Dänemark in Urlaub wollten. Keine direkten Folgen der Impfung, alles in Ordnung. Wir fuhren samstags nach Dänemark/Rømø. Sonntag fing Daisy vorne links an zu humpeln. Konnte ganz schlecht laufen, hatte aber keine Verletzung. Montagabend wollte Daisy nicht fressen, also haben wir sie gefüttert. Wir mussten ja auch Caninsulin spritzen. Nachts hat sie alles erbrochen .Das humpeln wurde stärker, ich hatte das Gefühl, die komplette linke Seite war jetzt betroffen. Daisy konnte nicht mehr laufen, wir haben sie überall hin getragen. Ab Dienstagmorgen hat sie gar nix mehr gefressen. Wir haben nur noch die halbe Menge Insulin gespritzt, der Zucker war immer über 300. So ging es weiter, sie trank Unmengen Wasser, erbrach, wollte nix fressen. Konnte dann kaum noch aufstehen, der Zucker spielte verrückt. Wir mussten sie raus tragen zum Lösen, dabei fiel sie ständig um.
Zum Glück hatten wir das erste Mal in einem Ferienhaus ein Telefon und wir standen in ständigem telefonischen Kontakt nach Deutschland, auch zu einer Freundin die Ärztin ist und versuchten das abzuklären.
Mittwochmorgen sind wir dann nach Deutschland zu einem Tierarzt gefahren. Mittlerweile war sie total apathisch, reagierte auf nichts mehr! Seine einzige Aussage: „Da kann man wohl nix mehr machen!“ Mit so einem Satz konnte ich nicht klar kommen. Wir Daisy geschnappt und nix wie raus aus der Praxis! Nach unzähligen Telefonaten und einer Odyssee der Hilflosigkeit sind wir dann an eine Kleintierklinik in Steinbergkirche geraten, die sehr gut ausgestattet war und sofort eine Blutuntersuchung etc. machen konnte. Der erste Verdacht am Telefon war eine Pyometra. Das erschien mir aber nicht schlüssig, aufgrund der Symptome. 80 Kilometer später waren wir in der Tierklinik angekommen. Sofort wurde Daisy Blut abgenommen und sie an die Infusion gehängt. Binnen Minuten ging es ihr besser. Der Ultraschall zeigte etwas, die eine Tierärztin tippte immer noch auf Pyometra. Die Blutuntersuchung zeigte dann, dass mein Gefühl und der Verdacht der zweiten Tierärztin richtig waren. Keine Pyometra. Der Lipasewert 3,5 fach erhöht= eine akute Pankreatitis! Was nun tun? 750 Kilometer von zu Hause entfernt, das Ferienhaus auf Rømø, wo unsere ganzen Klamotten waren. Mittlerweile war es spätnachmittags. Nach langem hin und her haben wir uns entschlossen nach Hause zu fahren. Wir haben Infusionen, Schmerzmittel, Glukose usw. mitbekommen und sind zurück nach Rømø. Dort alles eingepackt, geputzt und noch etwas geschlafen. Morgens nach Hause losgefahren. Daisy durfte 5 Tage lang nichts trinken und fressen. Die Bauschspeicheldrüse musste entlastet werden.
Unsere Tierärzte hier wussten von der Tierklinik schon über alles Bescheid.  Endlich wieder hier, haben wir weitere Infusionen und Medikamente abgeholt und Daisy zu Hause weiter gepflegt. Neun Tage hat sie nix gefressen, selbst sie leckersten Sachen wollte sie nicht. Ihr Zustand und ihre Blutwerte verschlechterten si ch zusehends. Irgendwann kam Christiane auf die Idee, dass es sich nicht nur um eine Pankreatitis handeln könnte, sondern noch zusätzlich eine Infektion mit Blutparasiten vorhanden sein könnte, die durch Daisys schlechten Zustand ausgebrochen ist. Viele der Symptome, die nicht zu der akuten Pankreatitis passten, passten nämlich hierzu. Wir haben dann beim Tierarzt Carbesia gespritzt. Wir hatten nichts mehr zu verlieren. Daisy hatte mittlerweile eine ganz schlimme Anämie und alles sprach gegen Daisy’s Leben. Die Tierärzte hatten sie aufgegeben und ich stand auch kurz davor. Dann haben wir zwei Tage lang Doxycyclin intravenös gespritzt (in die Braunüle, die für die Infusion lag), und dann mit Tabletten weiter gemacht. Außerdem mit Prednisolon (Kortison) angefangen. Zwei Tage später ging es bergauf, langsam, aber stetig. Mit dieser Geschichte haben wir Daisy wohl das Leben gerettet.
An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Christiane, ohne sie wäre Daisy heute wohl nicht mehr bei uns! Nach neun Tagen fing Daisy wieder an ganz vorsichtig in Miniportionen zu fressen. Der Blutzucker war haarsträubend, also haben wir Daisy auf Humaninsulin und ICT (Intensivierte Conventionelle Therapie) umgestellt. Ein Basalinsulin (Lantus) und ein schnelles zum Futter (Actrapid). Durch das Prednisolon, waren die Blutzuckerwerte weiterhin grauenhaft, meistens über 600. Wir kamen nicht dagegen an.
Dann ständig noch Infusionen, weil wieder die Blutergebnisse nicht so gut waren. Nac h harten Wochen voller Hoffen und Bangen war Daisy über den Berg. Die Leberwerte waren noch schlecht, aber mit selbst gekochter Leberdiät, haben wir auch die in den Griff bekommen. Der Blutzucker erholte sich, nachdem wir das Prednisolon abgesetzt haben, Daisy nahm wieder zu und heute ist sie wieder ein quietschfideler Hund, dem man sein (unbekanntes) Alter nicht ansieht, geschweige denn merkt, dass sie vor fünf Monaten mehr tot als lebendig war. Durch die ständigen hohen Blutzuckerwerte ist sie jetzt blind, kommt aber immer besser damit zurecht. Wir sind überglücklich, das Daisy bei uns geblieben ist (und das auch selber so wollte) und genießen die gemeinsame Zeit mir ihr noch intensiver. Die Beziehung bzw. Bindung zwischen Daisy und mir ist durch die ganze Geschichte sehr stark geworden. Und das genießen wir beide! Jetzt warten wir auf die nächste Läufigkeit und hoffen, dass alles so gut klappt wie beim letzten Mal.
Bilder vom März 2006
Ende März 2006 haben Christiane und ich ein Forum für diabetische Hunde eröffnet, damit betroffene Hundehalter sich untereinander austauschen können.
Anmerkung:
Das Tierdiabetes-Forum wurde Ende Juni 2008 vom Netz genommen, weil die Admins und Moderatoren aus Zeitgründen bis auf Weiteres die große Menge der Beiträge nicht mehr handhaben können.
Im August 2006 ist Daisy doch noch kastriert worden. Sie hat die OP sehr gute überstanden und war schnell wieder fit.
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